Deine Worte bleiben lebendig!

Leo,
aus
Santiago de Chile

Lieber Wolfgang,

so hat dir das ganze Jahr niemand geschrieben!
Und vielleicht ist es auch schwierig geworden, dir in deine klaren, ehrlichen und traurigen Augen zu schauen - angesichts dessen, was in der Welt vor sich geht. So wenig haben wir dich verstanden, so wenig haben wir auf dich gehört. Oder wir waren ganz einfach zu schwach. Wir schämen uns vor dir, du verstehst das schon richtig. Ich denke, du hattest vor 68 Jahren, damals in Basel, als du Abschied nahmst, ein dumpfes Gefühl, eine Vorahnung dessen, was kommen wird. Der Krieg war nicht aus. Er ging weiter, nur anders, versteckter, heuchlerischer, aber nicht deswegen weniger grausam und weniger blutig. Heute bin ich sicher, dass du es gewusst hast!

Danke, lieber Wolfgang, und vergiss uns auch weiterhin nicht!. Es sind ja immer die Kleinen, die Unscheinbaren, die "Dummen", welche leiden. Den Drahtziehern jubelt man zu, damals wie heute!

Danke für dein Lächeln, gerade in diesen düsteren Tagen und bedrohlichen Nächten.

Ruhe in Frieden,

Leo