Beste Grüße an Brigitte, von einer alten, bekannten Seele!
Liebe, einzigartige, unvergessene Brigitte Horney!
Menschen begegnen uns, die uns erfreuen, die tiefe Spuren in uns hinterlassen, die sich in unser Leben, in unsere Seelen hineinbrennen. Mein großer Kindheitstraum, meine tiefe Sehnsucht, Dir einmal in meiner Heimatstadt über den Weg zu laufen, blieb leider unerfüllt. Möglich, dass ich damals zu jung war, die Absurdität dieses Wunsches zu begreifen. Doch immer wieder erlebte ich dieses "Da bist Du ja endlich-Gefühl", wenn ich Dich im Fernsehen sah. Es war ein tiefes Gefühl, von einer Intensität, wie man es nur erlebt, wenn man einem sehr nahestehenden Menschen begegnet, einem engen Vertrauten! Hin und wieder fühle ich heute noch so tief, als wäre mir damals etwas weggenommen worden. Dein Tod, nur wenige Tage nach meinem siebten Geburtstag erschütterte mich zutiefst. Es war meine erste große Trauer! Mein Bedürfnis, mich von Dir zu verabschieden, war größer als ich selbst. Die Endgültigkeit Deines Todes zu akzeptieren, fiel mir fast zwei Jahre lang schwer.
Heute tun sich mir andere Phänomene auf: Beim Lesen Deiner Biografie geriet ich in großes Staunen. Bei den meisten Deiner Abenteuer und Erlebnisse muss ich anwesend gewesen sein, obwohl ich damals noch nicht lebte! Kaum eine Episode, die ich nicht kannte! Manchmal haben wir ähnliche Scherze getrieben, mit dem Unterschied, dass meine Stechmücken Spinnen waren und ich mich anstatt Leukoplast mit Paket-Klebeband bedient habe. Dann gibt es sie, die Momente, in denen wir uns so gegensätzlich sind, obwohl wir auf zufällig entdeckten Babyfotos zum Verwechseln ähnlich sind. Tatsächlich behandeln mich Menschen auf eine Art und Weise, die faszinierend und rätselhaft ist.
In meiner Heimatstadt warst Du wirklich einmal Gast, hast einen Film hier gedreht, auf unserem Altstadtfest gefeiert und auf unserem Flohmarkt eingekauft- allerdings vier Jahre vor meiner Geburt! Beim ersten Betrachten der Zeitungsfotos aus dieser Zeit knapp dreissig Jahre später, erkannte ich die Bilder zu meinem Erstaunen wieder. In Dir muss ich auf unerklärliche und zauberhafte Weise mein Spiegelbild gefunden haben! Schade, dass niemand die Zeit zurückdrehen und uns eine Begegnung miteinander schenken kann! Dein Grab habe ich mehrmals besucht und Blumen niedergelegt. Auf Dich bin ich unbeschreiblich stolz, und vergessen werde und kann ich Dich nie!
Und wenn unsere Beziehung zueinander, wann und wo immer es war, so eng zueiander gewesen ist, vielleicht möchtest Du mir dann einmal antworten, wenn ich in Wilzhofen an Deinem Grab stehe oder knie?
In tiefer Freundschaft,
Saskia
